Tag 18
Eine Impfung für eine Ziege durch eine Frau in Nicaragua

Starke Frauen, satte Menschen!

Ausbildung von Tierspezialistinnen in Nicaragua

Während wir in Deutschland im Advent auf den ersten Schnee warten, beginnt in Nicaragua die jährliche Trockenzeit. Die kleinbäuerlichen Familien im ländlichen Raum haben dann mit zunehmender Wasserknappheit zu kämpfen. Dass die Menschen in Nicaragua immer weniger Wasser haben, hat auch mit uns zu tun: Es ist eine Folge des globalen Klimawandels. Ausgerechnet in Nicaragua – dem wasserreichsten Land Zentralamerikas – leiden Menschen und Tiere immer mehr unter Ernährungs- und Wasserkrisen. Zusätzlich fehlen vielen Kleinbäuerinnen und -bauern in Nicaragua Kenntnisse über angepasste Anbaumethoden, Tierhygiene und eine passende Fütterung. Aufgrund dieser Situation und den klimatischen Bedingungen gehen ganze Ernten verloren und viele Nutztiere sterben einen vermeidbaren Tod. Das Dürrejahr 2015 vernichtete fast 50.000 Tonnen Mais, eine Millionen Rinder litten an Unterernährung und 2.500 Tiere verdursteten (Zeit online, 2015). Viele Familien hatten aufgrund dieser Situation meist nicht mehr genug zu essen für sich selbst.

Notwendigkeit

 

Lokale tierärztliche Behandlungsmöglichkeiten (z.B. Schutzimpfungen für Ziegen) für kleinbäuerliche Familien in abgelegenen Gemeinden Nicaraguas.

Aktivität

 

Frauen werden zu tierärztlichen Fachkräften ausgebildet und mit Medikamenten ausgestattet, um zahlbare tierärztliche Behandlungen durchzuführen.

Zählbare Leistung

Nach ca. 12 Monaten

Anzahl der tierärztlichen Behandlungen, die von den lokalen Fachfrauen durchgeführt werden.

Ergebnis

Nach ca. 3 Jahren

Tierkrankheiten werden früh erkannt und preiswert behandelt, wodurch die Tiersterblichkeit sinkt und sich die viehwirtschaftliche Produktion erhöht.

Systemrelevante Wirkung

Nach ca. 7 Jahren

Erhöhung des Tierwohls, der Ernährungssicherheit sowie Abbau von Gender-Hierarchien und Verbesserung der Stellung der Frauen in den Gemeinden.

Hintergrund

Der Wassermangel und die daraus resultierenden erschwerten Lebensbedingungen treffen insbesondere die Frauen im ländlichen Nicaragua. Frauen leben oft in großer Abhängigkeit von ihren Männern. Laut Statistiken der Vereinten Nationen haben 23% aller Frauen in Nicaragua mindestens einmal häusliche Gewalt erfahren (UN Women, 2016). Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung sind daher begrenzt. Hinzu kommen die anhaltenden politischen Unruhen und Proteste, die im April 2018 begannen und sich gegen die Regierung richten. Mehr als 500 Menschen sollen bei den Protesten bereits ums Leben gekommen sein (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2018). Das Land steckt in einer tiefen sozialen Krise und Tausende Einwohner sind bereits ins benachbarte Costa Rica geflohen. Kleinbäuerinnen und -bauern leben vor allem von der Ziegen- und Schafzucht. Dennoch haben die meisten Menschen wenige Kenntnisse über Tierhaltung. Eigene Futtermittel, die während der Trockenzeit genutzt werden können, bauen sie bislang kaum an. Die Tiersterblichkeit bei Geburten und Krankheiten ist hoch. Staatliche oder private tierärztliche Dienste sind in den Gemeinden nicht vorhanden, sodass keinerlei Möglichkeit besteht die Tiere lokal behandeln zu lassen. Bei Notfällen müssen die Menschen den weiten und kostspieligen Weg in die Kreisstadt auf sich nehmen – wenn sie das Geld dafür aufbringen können.

Die gute Tat

Durch die gute Tat werden Frauen in Nicaragua zu Fachkräften für Tiermedizin ausgebildet. Sie erlangen Wissen und Hilfsmittel, um in ihren Gemeinden Ansprechpartnerinnen für rund 500 Tierhalterinnen und Tierhalter zu sein. Die neue Möglichkeit, Tiere in der eigenen Gemeinde gesundheitlich versorgen zu können, verringert die Tiersterblichkeit und erhöht die Milch- und Fleischerträge. Die gute Tat verbessert damit die Ernährungssituation der Familien. Weiterhin dringen Frauen in Bereiche vor, die traditionell von Männern dominiert werden und ihr gesellschaftliches Ansehen und Selbstbewusstsein wächst enorm. „Früher habe ich mich kaum getraut zu reden. Dank der Arbeit des Frauenzentrums Xochilt Acalt, weiß ich heute, was ich kann. Mit meinen Fähigkeiten helfe ich vielen Menschen in meiner Gemeinde, wenn ihre Tiere krank sind“, so Mirna R., eine in einem Vorgängerprojekt ausgebildete Fachfrau für Tiergesundheit. Die gute Tat ist damit auch ein wichtiger Beitrag zur Stärkung der Frauenrechte und der Stellung der Frau in Nicaragua.

Über Nicaragua

Managua

Hauptstadt

6 150 000

Einwohnerzahl

5.157

Bruttoinlandsprodukt
pro Kopf pro Jahr

124

Human Development Index
(Index der menschlichen Entwicklung)

Der Nicaragua-See ist der größte See Zentralamerikas - und trotzdem ist Wasser Mangelware. Laut Klima-Risiko-Index 2018 ist Nicaragua das am viertstärksten vom Klimawandel bedrohte Land weltweit (Germanwatch, 2018).