Tag 10
3 Mahlzeiten am Tag für Kinder von Näherinnen in Bangladesch

Kitas statt Kinderarbeit

Gesundes Essen für Kinder von Näherinnen in Bangladesch

Bangladesch ist zehn Flugstunden von Deutschland entfernt und doch ist das Land uns näher als die meisten anderen: Jeden Tag tragen wir Kleidung, die aus Bangladesch kommt. Jeden Tag nähen Millionen Bangladescher T-Shirts, Kleider und Hosen für uns. Heute wissen viele Menschen ebenfalls, dass ein Großteil dieser Kleidung unter schlechten Arbeitsbedingungen produziert wird. Näherinnen und Näher arbeiten meist an sieben Tagen in der Woche bis zu 12 Stunden in der Fabrik. Viele von ihnen haben kleine Kinder. Doch nur wenige Menschen denken darüber nach, wer auf die Kinder aufpasst während die Näherinnen arbeiten. „Kostenlose Kinderbetreuung für Arbeiterinnen hilft dabei, Kinderarbeit zu verhindern. Ich habe selber mit 12 Jahren angefangen als Näherin zu arbeiten“, erzählt Kalpona Akter vom Bangladesh Center for Workers Solidarity. „Unsere Kita bietet den Kindern die Möglichkeit sich frei zu entfalten und einen anderen Lebensweg einzuschlagen.“

Notwendigkeit

 

Ernährung für Kinder von Näherinnen und Nähern in Bangladesch in einer Kita.

Aktivität

 

Lokale NGO kauft Nahrungsmittel und bereitet 3 Mahlzeiten am Tag für die Kita-Kinder zu.

Zählbare Leistung

Nach ca. 12 Monaten

Anzahl der Mahlzeiten, die an die Kinder ausgeteilt werden.

Ergebnis

Nach ca. 3 Jahren

Durch die Maßnahme werden 20 Kinder am Tag mit gesunden Mahlzeiten versorgt.

Systemrelevante Wirkung

Nach ca. 7 Jahren

Verbesserung des Gesundheitszustands sowie der Bildungschancen für Schulkinder von Näherinnen.

Hintergrund

Vier Millionen Menschen in Bangladesch arbeiten in der Bekleidungsindustrie, um sich und ihre Familien zu ernähren. Rund 80 % der Beschäftigten in der Branche sind Frauen (Kampagne für saubere Kleidung, 2018). Die Regierung Bangladeschs hat den Mindestlohn auf ca. 52 Euro im Monat festgesetzt. In den letzten fünf Jahren gab es jedoch keine Anhebung. In den Tarifverhandlungen in Deutschland erkämpfen Gewerkschaften regelmäßig eine Anpassung der Löhne. In Bangladesch ist der Einfluss der Gewerkschaften schwächer. Der reguläre Lohn reicht nicht mehr aus, um die Familien zu ernähren. Um ihre Familie ernähren zu können, leisten die Näherinnen und Näher daher häufig viele Überstunden. 100 Überstunden im Monat sind keine Ausnahme. Der Mangel an Betreuungseinrichtungen stellt die arbeitenden Mütter und Väter daher vor Herausforderungen. Wenn es ihnen finanziell nicht möglich ist, einfach mit der Arbeit aufzuhören, bleiben auch kleinste Kinder allein zu Hause oder werden von älteren Geschwistern beaufsichtigt, die dafür die Schule vernachlässigen. Wenn die Kinder zu Hause bleiben, werden diese in vielen Fällen auch zur Heimarbeiten herangezogen, helfen z.B. beim Annähen von Pailletten. Sie haben somit keinerlei Chance sich auf ihre Schulausbildung zu konzentrieren.

Die gute Tat

Um den Kindern der Näherinnen und Näher eine altersgerechte Betreuung zu bieten, betreibt das Bangladesh Center for Workers Solidarity eine kostenfreie Kita. Die heutige gute Tat stellt die Verpflegung der Kinder sicher. Die Kinder bekommen täglich drei gesunde Mahlzeiten und sauberes Trinkwasser. So wird bereits im Kleinkindalter die Basis für eine gesunde Entwicklung gelegt. Auch Grundschulkinder besuchen nach der Schule die Betreuungseinrichtung. Um überhaupt konzentriert lernen zu können, sind auch für sie die regelmäßigen Mahlzeiten wichtig. Durch die tägliche Verpflegung werden die Gesundheit und die Fähigkeiten der Kinder verbessert. Zudem werden die arbeitenden Mütter und Väter auf verschiedenen Ebenen entlastet – sowohl finanziell als auch von den Sorgen um die Betreuung und Sicherheit ihrer Kinder. Gleichzeitig fördert FEMNET e.V. vor Ort die Stärkung der Gewerkschaften und führt in Deutschland Aufklärungskampagnen zu dem Thema Faire Bekleidung durch.

Über Bangladesch

Dhaka

Hauptstadt

164 800 000

Einwohnerzahl

3.611

Bruttoinlandsprodukt
pro Kopf pro Jahr

136

Human Development Index
(Index der menschlichen Entwicklung)

Bangladesch ist nach China der weltweit größte Exporteur von Bekleidung. Über vier Millionen Beschäftigte, vor allem Frauen, versuchen von der Arbeit in der Bekleidungsindustrie zu leben.