Tag 19
Eine Stunde Computer- oder Englischkurs für eine Frau in Libyen

Lernen für ein besseres Leben

Stärkung von Frauen und Mädchen im Bürgerkriegsland Libyen

Manche Träume erfüllen sich spät. So wie der Traum von Nadine aus Tripolis. Als Kind liebte sie es zur Schule zu gehen, besonders gern mochte sie Mathe. Sie träumte davon, Anwältin zu werden und sich für benachteiligte Menschen einzusetzen. Doch es kam anders. Mit 13 Jahren wurde Nadine verheiratet, bekam ihr erstes Kind und musste die Schule abbrechen. Doch sie erzog ihre Töchter zu erfolgreichen, selbstbewussten Frauen. Als 2011 die Revolution Libyen veränderte, war Nadines Stunde gekommen. In der Hauptstadt eröffnete sie Zentren, in denen benachteiligte und von Gewalt bedrohte Frauen Geborgenheit, Rat und Unterstützung finden. Vor allem die Weiterbildungsangebote liegen Nadine am Herzen: kostenlose Englisch- und Computerkurse. „Bildung ist der Schlüssel zu einem selbstbestimmten Leben“, weiß sie. Heute ist sie 65 Jahre alt. Rechtsanwältin ist sie nicht geworden, aber ihren Kindheitstraum, den Schwachen und Rechtlosen zu helfen, hat sie wahr gemacht, durch Beharrlichkeit und Mut.

Notwendigkeit

 

Bildungschancen für gesellschaftlich benachteiligte Frauen und Mädchen in Libyen.

Aktivität

 

Die Partnerinnen von AMICA e.V. bieten in ihren Beratungszentren kostenlose Englisch- und Computerkurse für Frauen und Mädchen an.

Zählbare Leistung

Nach ca. 12 Monaten

Anzahl der Mädchen und Frauen, die an einem Englisch- oder Computerkurs teilnehmen und ihn mit Zertifikat abschließen können.

Ergebnis

Nach ca. 3 Jahren

Benachteiligte Frauen und Mädchen in Libyen haben ein stärkeres Selbstvertrauen, sind stabiler im Alltag und in ihrer beruflichen Situation.

Systemrelevante Wirkung

Nach ca. 7 Jahren

Frauen haben in der libyschen Gesellschaft eine stärkere Stellung. Das Bewusstsein über geschlechtsbezogene Gewalt beginnt sich zu wandeln.

Hintergrund

Seit der Revolution von 2011 befindet sich Libyen in einem Transformationsprozess, der im Mai 2014 durch erneutes Aufflammen der Gewalt in einen Bürgerkrieg mündete. Derzeit sind ca. 1 Million Menschen von den Kampfhandlungen betroffen, 1,3 Millionen Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen (Ocha, 2016). Durch die Kriegssituation steigt die Gewalt im Alltag massiv an. Laut UNDP sind 89 % der libyschen Familien betroffen. Besonders ernst ist die Lage für jene, die aus ihren Wohnungen fliehen mussten. Der Großteil der Flüchtlinge konzentriert sich in den Großstädten Bengasi und Tripolis. In Notunterkünften wie Schulen und Fabrikgebäuden leben Familien auf engstem Raum, es gibt kaum Rückzugsmöglichkeiten und keine Schutzvorkehrungen. Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist in Libyen ein absolutes Tabuthema. Es gibt fast keine Hilfen von staatlicher Seite. Die beiden Partnerorganisationen von AMICA e.V. leisten daher Pionierarbeit. Sie betreiben das erste SOS-Telefon für Frauen, suchen vertriebene Familien sowie Frauen in Gefängnissen auf, beschäftigen Therapeutinnen, Sozialarbeiterinnen und Rechtsanwältinnen und setzen sich mit einer Kampagne dafür ein, dass junge Männer nicht zur Waffe greifen und sich den Milizen anschließen.

Die gute Tat

Indem sie am Englisch- oder Computerunterricht teilnehmen, lernen Frauen und Mädchen die Beratungszentren und die Mitarbeitenden kennen. Diese Vertrauensbasis ist wichtig, damit sie bei Bedarf die Unterstützung der Sozialarbeiterinnen, Therapeutinnen und Anwältinnen in Anspruch nehmen. Die Angebote stabilisieren sie im Alltag und stärken ihr Selbstvertrauen. „Mir ist, als könnte ich fliegen. Jetzt habe ich wieder Hoffnung“, schilderte eine Besucherin aus Bengasi ihre Gefühle. Die Kurse sind vom libyschen Bildungsministerium zertifiziert. Durch die Teilnahme verbessern die Frauen ihre beruflichen Gestaltungsmöglichkeiten und erhöhen ihre Chancen auf eine Anstellung bei einem ortsansässigen Unternehmen, einer staatlichen Institution oder einer nichtstaatlichen Organisation.

Über Libyen

Tripolis

Hauptstadt

6 293 300

Einwohnerzahl

5 193

Bruttoinlandsprodukt
pro Kopf pro Jahr

102

Human Development Index
(Index der menschlichen Entwicklung)

Libyen ist das viertgrößte Land Afrikas. In der libyschen Wüste werden die höchsten Temperaturen weltweit gemessen.