Tag 19
½ Std Freizeitaktivität für ein benachteiligtes Kind in Berlin

"Ohne Moos nix los" - gesellschaftliche Teilhabe ist nicht umsonst

Freizeitaktivität für Tandems in Berlin ermöglichen

Was machen wir heute? Diese Frage stellen sich unsere Tandems wohl regelmäßig, wenn sie sich treffen. Gar nicht so leicht, wenn ein Grundschulkind, vielleicht noch aus einem anderen Kulturkreis und mit geringen Sprachkenntnissen und ein ehrenamtlich engagierter Erwachsener sich entscheiden, sich die nächsten Monate wöchentlich zu treffen und gemeinsam ihre Freizeit zu gestalten. Und wenn dann die Ideenfunken sprühen und auf einmal 1000 Dinge interessant und sehenswert sind und erlebt werden wollen, stellt sich schon die nächste Frage, die nicht mit ein bisschen Brainstorming gelöst werden kann: Wie können wir das bezahlen? Denn der Ausflug ins Museum oder in den Zoo, die Bootsfahrt auf der Spree, der gemeinsame Versuch einen Kuchen zu backen, alles kostet immer ein bisschen Geld. Und selbst der kostenlose Besuch in der Bibliothek würde dann doch gerne mit einer Kugel Eis abgeschlossen werden. Für viele ist es eine Selbstverständlichkeit, hier und da den ein oder anderen Euro gedankenlos auszugeben. Für die Eltern der Kinder in unserem Programm ist das oft der reine Luxus. Das Aktivitätengeld ermöglicht es den Kindern und ihren ehrenamtlichen Mentoren und MentorInnen, die vielfältigen Angebote der bunten Stadt Berlin wahrzunehmen und sich den ein oder anderen kleinen Wunsch zu erfüllen.

Notwendigkeit

 

Aktivitätengeld für die Durchführung gemeinsamer, sinnvoller, integrativer und freizeitpädagogischer Aktivitäten eines Tandems.

Aktivität

 

Die Tandems erhalten ein Aktivitätengeld für die Projektdauer von acht Monaten, über dessen Verwendungszweck sie gemeinsam entscheiden.

Zählbare Leistung

Nach ca. 12 Monaten

Anzahl der Tandems, die das Aktivitätengeld bei ihren wöchentlichen Treffen zur sinnvollen Freizeitgestaltung nutzen.

Ergebnis

Nach ca. 3 Jahren

Durch das Kennenlernen und Ausprobieren neuer Aktivitäten entdecken die Kinder Interessen und Talente, lernen spielerisch und erweitern ihren Horizont

Systemrelevante Wirkung

Nach ca. 7 Jahren

Bessere Chancen der gesellschaftlichen Teilhabe unabhängig der sozialen Herkunft, Brücken zwischen verschiedenen Lebenswelten in Berlin.

Hintergrund

Es ist nicht neu, dass durch eine ungleiche Vermögensverteilung in Deutschland eine große Kluft zwischen Arm und Reich entstanden ist, die weitaus stärker ausgeprägt ist als in anderen OECD Ländern. (OECD, 2015). Besonders betroffen sind dabei Kinder, von denen rund 2,7 Millionen als arm oder armutsgefährdet gelten. Kinder aus benachteiligten Familien nehmen seltener an außerhäuslichen Aktivitäten teil, als Kinder aus Familien mit einem besseren Einkommen (Paritäter, 2016). Da viele der kulturellen und integrativen Angebote, die außerschulisches Lernen fördern und durch die neue Interessen entdeckt werden, oft kostenpflichtig sind, werden diese Kinder von der gesellschaftlichen Teilhabe ausgeschlossen, was die Entstehung von Parallelgesellschaften und die soziale Ungleichheit weiter fördert. In Reinickendorf, der zu den sozial schwachen Berliner Bezirken gehört (Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales, Berlin 2013), sind den letzten drei Jahren zwölf Flüchtlingsheime mit 3.000 Plätzen eröffnet worden, in denen größtenteils Familien mit Kindern wohnen. Gerade um die Integration dieser Kinder zu fördern, ist es wichtig, ihnen ein Maß an gesellschaftlicher Teilhabe zu ermöglichen und sie bei den ersten Schritten in die Gesellschaft ihrer neuen Heimat zu begleiten. Mit einem Mentoringprogramm werden Kinder erreicht, die besonders empfänglich für Freizeitangebote sind, jedoch nur wenige Orte und Aktivitäten kennen. Eine 1:1 Mentoringbeziehung, auch Patenschaft genannt, trägt zum Austausch verschiedener Lebenswelten bei und schafft Vertrauen. Das gemeinsame Entdecken von Interessen, Ortserkundungen und spielerisches Lernen unterstützt die Kinder beim Entwickeln positiver Zukunftsperspektiven und ist ein Schritt zu mehr Bildungsgerechtigkeit.

Die gute Tat

Wir stellen jedem Tandem ein Aktivitätengeld in Höhe von 150 € zur Verfügung, das sie selbst und gemeinsam verwalten. So gewährleisten wir eine gesellschaftliche Teilhabe auch ohne große finanzielle Mittel der teilnehmenden Kinder und Erwachsenen. Für die Kinder bedeutet dies das Erleben von Aktivitäten, die ihnen bis dahin vielleicht verwehrt waren. Sie haben die Möglichkeit, neue Interessen zu entwickeln und ihren Horizont zu erweitern. Sie lernen ihre Stadt mit den verschiedenen kulturellen und kindgerechten Angeboten kennen und bekommen neue Perspektiven aufgezeigt.

Herausforderung

Die größte Herausforderung ist auch die größte Chance: Die Kinder können mit entscheiden, was sie mit dem Geld umsetzen und erleben wollen. Das kann aber auch bedeuten, dass gerade Kinder, die den Wert von Geld noch nicht einschätzen können, unerfüllbare Vorstellungen haben oder sich teure Aktivitäten wünschen, die dauerhaft nicht umsetzbar sind. Die Herausforderung ist also, den Kindern einen bewussten Umgang mit Geld nahezubringen und gerade die vielen Aktivitäten, die wenig kosten, gemeinsam bewusst zu erleben.

Über Deutschland

Berlin

Hauptstadt

81 413 100

Einwohnerzahl

40 952 USD

Bruttoinlandsprodukt
pro Kopf pro Jahr

6

Human Development Index
(Index der menschlichen Entwicklung)

Deutschland ist zwar das bevölkerungsreichste Land Europas, hat aber immer weniger Kinder. Die Gruppe der 50-Jährigen ist heute schon doppelt so groß wie die der Neugeborenen.

Über die Organisation und weitere Informationen

Organisation

kein Abseits! e.V.

Website

http://www.kein-abseits.de/

Zertifiziert durch

Initiative für Transparente Zivilgesellschaft Phineo

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