Tag 15
Eine Stunde Berufsorientierung für ein Mädchen in Südafrikas Townships

Die Boxgirls verändern Südafrika – starke Mädchen, sichere Gemeinschaften

Berufsorientierung und Gewaltprävention in den Townships

„Ich bin ein Werkzeug des Wandels. Ich möchte HIV und AIDS bekämpfen, ich möchte Armut bekämpfen, ich möchte Kriminalität bekämpfen, ich möchte Gewalt bekämpfen, in meiner Gemeinschaft und der ganzen Welt!“ Stolz präsentiert die junge Boxgirls-Teilnehmerin Faith ihr selbstgeschriebenes Gedicht. In Sport- und Leadership-Workshops lernen die Mädchen, selbstbewusst für ihre Rechte einzutreten und ihr Umfeld aktiv mitzugestalten. Bildung und Berufsorientierung sind für Mädchen in den Townships keine Selbstverständlichkeit. Die bei Boxgirls vermittelten Bildungsinhalte helfen den Mädchen, ihre schulischen und beruflichen Ziele zu verfolgen. „Wir sprechen mit den Mädchen auch über geschlechterbasierte Gewalt und vermitteln ihnen Möglichkeiten zur Deeskalation potentieller Gewaltsituationen“, erklärt Andiswa Madikane. Die Betreuerin des Projekts sieht sich nicht nur als Trainerin, sondern vor allem als Mentorin der Mädchen. „Wir organisieren in der Gemeinschaft Events, die Frauenrechte thematisieren und bei denen die Mädchen ihre erlernten Fähigkeiten präsentieren.“ Denn nur, wenn die lokalen Gemeinschaften miteinbezogen und die Botschaften an Familienmitglieder und LehrerInnen vermittelt werden, lässt sich eine nachhaltige Veränderung tatsächlich realisieren. „Ich denke oft an ein Mädchen, das in meiner Straße lebt. Ihr Name ist Andisiwe. Ich kannte sie als eine schüchterne, sehr introvertierte Person. Seit sie Teil des Boxgirls-Projekts ist, hat sie Selbstvertrauen erlangt, spricht offen ihre Ansichten aus und geht gerne zur Schule.“ Freude an Schule und Sport sowie Bildung für sozialen Wandel formen unseren Leitspruch: Starke Mädchen. Sichere Gemeinschaften.

Notwendigkeit

 

Berufsorientierung und Gewaltprävention für Mädchen in den Townships von Südafrika.

Aktivität

 

Übungsleiterinnen vermitteln im Boxgirls After School Club zwei Mal wöchentlich Berufs- und Ausbildungsperspektiven sowie soziale Kompetenzen.

Zählbare Leistung

Nach ca. 12 Monaten

165 Mädchen erlangen wichtige Kenntnisse zum Schutz vor sexueller Gewalt und verbessern ihre schulischen Leistungen.

Ergebnis

Nach ca. 3 Jahren

Selbstvertrauen und Berufsperspektiven der Mädchen werden gestärkt und ermöglichen ihnen, ihre schulischen und persönlichen Ziele zu verfolgen.

Systemrelevante Wirkung

Nach ca. 7 Jahren

Frauen in den Townships soll soziale und politische Teilhabe ermöglicht und die gesellschaftliche Rolle der Frau in den Gemeinschaften gestärkt werden.

Hintergrund

Ungleiche Geschlechterverhältnisse, wie sie weltweit auftreten, wurden in Südafrika durch das koloniale Vermächtnis sowie das Apartheid-System zulasten der Frauen noch vergrößert. Aggressivität und Brutalität werden gesellschaftlich als Zeichen männlicher Stärke angesehen, Schwäche dagegen als weibliche Eigenschaft wahrgenommen. Geschlechterbasierte Gewalt stellt in Südafrika, gerade in den Townships, eines der gravierendsten Probleme dar. So gaben 40% der Mädchen in den Schulen von Khayelitsha an, bereits einmal Opfer sexueller Gewalt gewesen zu sein. Schätzungen rechnen vor, dass nur etwa jeder neunte Fall zur Anzeige gebracht wird. Obwohl in den Jahren 1998 und 2007 in Südafrika zwei Gesetze verabschiedet wurden, die Frauen vor Gewalt schützen sollen, werden diese in der Praxis nur mangelhaft umgesetzt. Die autoritären Strukturen werden durch ökonomische Ungleichgewichte sowie schlechte Bildungs- und Berufschancen für Frauen noch weiter verankert. Im Zuge der Apartheid-Politik wurde die schwarze Bevölkerung in besonderem Maße unterdrückt. Die Mädchen in den Townships sind somit bis heute doppelt benachteiligt: aufgrund ihrer Hautfarbe und ihres Geschlechts. Immer noch mangelt es in den Schulen an Ressourcen und qualifiziertem Lehrpersonal. Die direkte Konsequenz daraus sind niedrige Bildungsstandards und mangelnde Berufschancen, im Speziellen für junge Mädchen und Frauen.

Die gute Tat

Durch die Berufsorientierungs- und Gewaltpräventionsprogramme des Boxgirls After School Clubs erlernen die Mädchen einerseits Deeskalationsstrategien für potentielle Gefahrensituationen und erhalten andererseits wertvolle Einblicke in zukünftige Berufsmöglichkeiten. Mittels Einbeziehung der lokalen Gemeinschaften in das Projekt werden die vermittelten Werte der Stärkung von Frauen auch nach außen getragen und erzielen somit eine größere Wirkung. Traditionellen Gesellschaftsstrukturen kann dadurch entscheidend entgegengewirkt werden. Die erlernten sozialen Kompetenzen helfen den Mädchen, Probleme konstruktiv zu lösen, ihre schulischen und beruflichen Ziele zu verfolgen und sich besser vor geschlechterbasierter Gewalt zu schützen.

Herausforderung

Wichtig für die erfolgreiche Umsetzung des Projekts ist insbesondere die Unterstützung durch die Eltern und lokalen Gemeinschaften. Persönliche Ansprache, regelmäßige Treffen und Informationsabende mit den Eltern stellen hierbei wichtige Anknüpfungspunkte dar. Die Übungsleiterinnen des Projekts kommen selbst aus der Gemeinschaft und können somit für die Eltern als Vertrauenspersonen und für die Mädchen als Vorbilder wirken. Auch vielversprechende Evaluationsergebnisse konnten entscheidend dazu beitragen, dass die Eltern dem Projekt nun positiv gegenüberstehen und die Ausbildung und Berufsorientierung ihrer Töchter aktiv unterstützen.

Über Südafrika

Pretoria (Exekutive), Kapstadt (Legislative), Bloemfontein (Judikative)

Hauptstadt

54 956 900

Einwohnerzahl

5 727 USD

Bruttoinlandsprodukt
pro Kopf pro Jahr

116

Human Development Index
(Index der menschlichen Entwicklung)

Surftourismus trifft Townships, auf ausbeuterische Apartheidpolitik folgen schillernde Figuren wie Nelson Mandela – kurzum: Südafrika ist ein Land der straken Gegensätze.

Über die Organisation und weitere Informationen

Organisation

CamP Group gGmbH

Website

http://boxgirls.org.za/

Zertifiziert durch

Initiative für Transparente Zivilgesellschaft

Weiterführende Links