Tag 5
Eine Tollwutimpfung für einen Hütehund in Ostafrika

Tollwut

Ein Risiko für Tier und Mensch

Deutschland gilt seit fünf Jahren offiziell als tollwutfrei, wie das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz 2008 bekannt gab. Ein funktionierendes Impfsystem und eine gute medizinische Versorgung haben dazu geführt, dass die Krankheit hierzulande keine akute Gefahr mehr darstellt. Darüber gerät leicht in Vergessenheit, dass Tollwut in anderen Teilen der Welt noch eine sehr reale Bedrohung für die Menschen ist. Die Volksgruppe der Massai in unserem Projektgebiet kennt Tollwut und erkennt sie auch, wenn sie auftritt. Was bisher fehlte, war das Wissen um die Übertragung auf den Menschen und dass man gegen Tollwut impfen kann. Deshalb ernteten wir zu beginn ungläubige Gesichter, als wir an die Massai herantraten, um ihnen kostenlose Impfungen für ihre Hunde anzubieten.

Notwendigkeit

 

Jährlich gibt es immer noch viele Todesfälle bei Menschen durch Tollwut, obwohl eine Infektion durch einfache Impfung von Hunden verhindert werden kann

Aktivität

 

Tierärzte ohne Grenzen entsendet kenianische Tierärzte in entlegene Dörfer, um auch hier Menschen ohne Zugang zur Gesundheitsversorgung vor Tollwut schützen und aufklären zu können.

Zählbare Leistung

Nach ca. 12 Monaten

Anzahl der Impfungen, die für Haus- und Hütehunde durchgeführt werden konnten

Ergebnis

Nach ca. 3 Jahren

Messbarer Rückgang der Tollwutübertragung auf den Menschen durch sensibilisierten Umgang mit Tieren und Impfungen

Systemrelevante Wirkung

Nach ca. 7 Jahren

Verbesserte Gesundheit und gefahrenfreierer Umgang für Menschen mit Hunden und Wildtieren.

Hintergrund

Durch das Projekt zur Tollwutbekämpfung in der kenianischen Masai Mara (Serengeti Nationalpark) möchte Tierärzte ohne Grenzen e.V. dazu beitragen, Menschen und Tiere vor einer Infektion mit Tollwut zu schützen. Hundehaltung ist eine übliche Methode um Nutztiere, z.B. Ziegen oder Hühner, vor Angriffen durch Raubtiere zu schützen. Allein im Projektgebiet unserer Organisation leben etwa 20.000 Haus- und Hütehunde. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben jedes Jahr mehr als 55.000 Menschen an Tollwut, etwa 95 Prozent davon in Afrika und Asien. Hunde sind dabei die häufigste Infektionsquelle für den Menschen: 99 Prozent der weltweiten Todesfälle bei Menschen sind auf die Übertragung des Virus durch Bisse tollwütiger Haus- und Hütehunde zurückzuführen. Kinder sind besonders gefährdet, denn 40 Prozent der Opfer von Hundebissen tollwutverdächtiger Tiere sind Kinder unter 15 Jahren. Sie werden häufig beim Spielen von den Hunden gekratzt oder gebissen. Das Fatale daran ist, dass sie sich der Gefahr einer Tollwutinfektion meist nicht bewusst sind und gerade auf kleinere Verletzungen daher nicht aufmerksam machen, sodass diese unbemerkt bleiben. Doch nur wenn unmittelbar nach dem Biss eine fachkundige medizinische Behandlung erfolgt, ist die Krankheit noch zu stoppen. Die Behandlung besteht im Wesentlichen aus Wundreinigung, Desinfektion sowie Immunisierung und kostet in Afrika umgerechnet etwa 40 US$ - Kosten, die für einen Durchschnittshaushalt kaum aufzubringen sind, wenn man bedenkt, dass das durchschnittliche Einkommen dort etwa 1,5 US$ pro Tag und Person beträgt. Um die Tollwut weltweit kostengünstig einzudämmen, empfiehlt die WHO die vorbeugende Impfung von Hunden.

Die gute Tat

Der Ablauf des Projektes ist denkbar einfach und dennoch effektiv: In Teams von zwei bis drei Mann fahren unsere einheimischen Tierärzte ausgerüstet mit Impfdosen, Spritzen und Medikamenten gegen andere häufige Tierkrankheiten ein bis zwei Mal pro Jahr mit einem Jeep in die abgelegenen Dörfer. Über ein Megafon werden die Dorfbewohner vorher über die geplanten Impfungen informiert, sodass sie mit ihren Viehherden und Hunden nicht auf die entfernten Weiden ziehen. Das Team klappert dann Dorf für Dorf in unserem Projektgebiet ab und impft alle Hunde, teilweise auch die dort selteneren Katzen. Weil es in dem Gebiet keinerlei tierärztliche Grundversorgung gibt, sind unsere Teams die Einzigen, die tiermedizinische Hilfe leisten.

Herausforderung

Logistische Herausforderungen für unsere Arbeit bestehen in Anfahrt und Transport der Impfdosen, die eine ununterbrochene Kühlung benötigen. Für die Massai ist es zudem immer noch ungewohnt, ihre Hunde impfen zu lassen, weil Hunde dort Nutztiere sind, deren Haltung einen bestimmten Zweck erfüllt. Deshalben müssen wir vor der Impfung erst Aufklärungsarbeit leisten und Sinn, Zweck und Vorteile unseres Vorgehens erläutern.

Über Kenia

Nairobi

Hauptstadt

41800000

Einwohnerzahl

994,31 USD

Bruttoinlandsprodukt
pro Kopf pro Jahr

145

Human Development Index
(Index der menschlichen Entwicklung)

Bekannt für seine atemberaubenden Landschaften, Wildtiere und Safaris