Es werde Licht! Hausaufgaben, Toilettengänge und mehr Zeit für die Familie

Solarlampen für Dorfbewohner in Pakistan

Elektrisches Licht ist für uns selbstverständlich. Besonders nach Einbruch der Dunkelheit nutzen wir es um zu lesen, mit unseren Familien zu Abend zu essen, uns zu orientieren und die Dinge zu erledigen, die wir tagsüber nicht geschafft haben.

In den ländlich gelegenen Gebieten in Pakistan gibt es keinen Anschluss ans Stromnetz. Die Dorfbewohner sitzen nach dem Sonnenuntergang um ca. 18 Uhr im Dunkeln. Kerzen oder Kerosinlampen können sich die Menschen aus der Region Sindh, die überdurchschnittlich oft von Dürren und Überschwemmungen betroffen ist, in der Regel nicht leisten. Eine Solarlampe kann hier den Menschen helfen, ihre Abende produktiver, geselliger und sicherer zu gestalten.

Hintergrund

Pakistan gilt unter anderem aufgrund der niedrigen Durchsetzungskraft seiner grundlegenden staatlichen Funktionen als fragiler Staat. Die staatlichen Institutionen auf allen Ebenen sind nicht in der Lage, den Menschen eine Basisversorgung zu ermöglichen. Landesweit besteht ein großes Defizit an Energie für die kontinuierliche Stromversorgung der rapide ansteigenden Bevölkerung. Die ländlichen Gebiete in Pakistan sind nicht an das Stromnetz angeschlossen. Die meisten Dorfbewohner haben so keine Möglichkeit elektrische Geräte zu nutzen. Hinzu kommt die Armut der Bevölkerung. 21% der Pakistaner leben unter der Armutsgrenze, also von weniger als 1,20€ am Tag. Der Großteil von ihnen, ca. 80%, zählen zur ländlichen Bevölkerung (UNDP 2015, IFAD 2014). Die fehlende Stromversorgung begünstigt Armut, hat negative Auswirkungen auf das bereits niedrige Bildungsniveau und schränkt den Alltag der Menschen ein (BMZ 2011).

Die Dörfer der Distrikte Mirpurkhas und Tharparkar befinden sich in schwer zugänglichen Gebieten, die häufig von Überflutungen und Dürren betroffen sind. Der fehlende Anschluss ans Stromnetz und unerschwingliche Preise für Kerzen und Kerosinlampen führen dazu, dass nach Sonnuntergang Dunkelheit herrscht. Nach der Feldarbeit können viele alltägliche Tätigkeiten wie z.B. kleine Reparaturen oder die Hausaufgaben der Kinder nicht mehr erledigt werden. Zudem bringt die Dunkelheit auch Unsicherheit mit sich. Im Dunkeln passieren viele kriminelle Übergriffe, deswegen trauen sich nach Sonnenuntergang viele Dorfbewohner nicht mehr allein aus dem Haus.

Besonders Frauen und Mädchen fühlen sich nicht sicher und vermeiden abends aus Angst oft den Gang zur Toilette oder zum Wasserholen. Sie haben traditionell wenig Rechte in Pakistan und sind – gerade aufgrund der engen moralischen Grundsätze und der starken gesellschaftlichen Diskriminierung – einem besonders hohen Risiko von Gewalt und Vergewaltigung ausgesetzt. Dies gilt in besonderem Maße für junge, unverheiratete Frauen in ländlichen Gebieten. Mehr Licht und damit Sichtbarkeit ist ein erster Schritt ihnen und den anderen Dorfbewohnern mehr Handlungsfreiraum zu ermöglichen (DW 2012, Amnesty International 2014).

Die gute Tat

Jede Familie in den Projektdörfern bekommt eine Solarlampe. Schon mit wenigen Lampen pro Dorf kann die Lebensqualität der Bewohner verbessert werden. So haben die Familien vor allem nach der Feldarbeit mehr Zeit im Hellen zur Verfügung. Da die Lampen klein sind und einen Haken zum Aufhängen haben, sind sie sehr flexibel einsetzbar. Während der Sonnenstunden, die es in Pakistan reichlich gibt, lädt sich ihr Akku und reicht nach Sonnenuntergang jeden Tag für ca. 8 Stunden Licht. Die Akkus haben eine Lebensdauer von ca. 2 Jahren und können danach ausgetauscht werden (Nokero 2014). Die Lampen werden von der lokalen Partnerorganisation „Participatory Village Development Program“ (PVDP) an alle Familien in den Projektdörfern der Distrikte Mirpurkhas und Thapakar verteilt.

Herausforderung

Eine große Herausforderung wird sein, dass alle Familienmitglieder und besonders Frauen und Mädchen Zugang zu den Solarlampen haben. Traditionell treffen in den Dörfern die Männer Entscheidungen für ihre Familie und bestimmen daher auch, ob die Frauen und Mädchen die Lampen benutzen dürfen. Um dieser Herausforderung zu begegnen, wird die lokale Partnerorganisation, PVDP, vor Übergabe der Lampen mit den Familienvorständen reden, um sie davon zu überzeugen, dass auch Frauen und Mädchen die Lampen nutzen dürfen. Eine weitere Herausforderung ist die gerechte Verteilung der Lampen. PVDP wird daher nur Lampen verteilen, wenn es möglich ist, jeder Familie im Dorf eine Lampe zu übergeben. Falls die Unterstützung von 24guteTaten dafür nicht ausreicht, wird action medeor das Budget entsprechend aufstocken. Um die Familien mit dem Gebrauch der Lampen (u.a. der Aufladung der Akkus) vertraut zu machen, wird PVDP außerdem in jedem Dorf die Handhabung der Lampen erklären. Im Rahmen laufender Projekte in den Dörfern wird die Nutzung der Lampen mittelfristig von PVDP und action medeor begleitet.

Notwendigkeit
Aktivität
Zählbare Leistung

Nach ca. 7 Monaten

Ergebnis

Nach ca. 3 Jahren

Systemrelevante Wirkung

Nach ca. 7 Jahren

Licht nach Sonnenuntergang für pakistanische Familien in Dörfern ohne Stromversorgung.
In den Dörfern der Distrikte Mirpurkhas und Tharparkar erhält jede Familie eine Solarlampe.
Anzahl der Familien, die eine Solarlampe erhalten haben und nutzen.
Schulkinder erledigen auch nach Anbruch der Dämmerung Hausaufgaben, Frauen und Mädchen fühlen sich beim Wasserholen und Toilettengängen sicherer.
Verbesserte und mehr Bildung für Kinder, mehr Sicherheit und Bewegungsfreiraum für Frauen und Mädchen.

 

Organisation
Deutsches Medikamenten-Hilfswerk action medeor e.V.
Vereinsregister-Nr.
VR 3516 Krefeld
Zertifiziert durch
Initiative für Transparente Zivilgesellschaft,
Siegel Deutscher Spendenrat e.V.
Kontakt
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Initiative Transparente ZivilgesellschaftSpendenrat e. V. – Der Dachverband spendensammelnder gemeinnütziger Organisationen