Ein Land – eine Generation – eine Zukunft?!

Stipendienprogramm für junge afghanische Studierende

Sayed (20) arbeitete mit 17 Jahren acht Monate lang nachts, um nach dem Tod seines Vaters das niedrige Familieneinkommen aufzubessern. Tagsüber besuchte er die Schule. Sara (18) engagierte sich schon während ihrer Schulzeit ehrenamtlich und gab kostenlose Englischstunden für Schülerinnen, die sich diese nicht leisten konnten. Als sie nach dem Schulabschluss eine Hochschulbildung anstrebte, gab es Bedenken aus ihrer Familie: Es sei ungünstig, als Mädchen zu studieren. Die Kosten seien zu hoch.

Diese zwei jungen AfghanInnen verbindet die Erkenntnis, dass Bildung der Schlüssel für die Bekämpfung der prekären Sicherheitsverhältnisse, der Missachtung von Menschenrechten und der schlechten wirtschaftlichen Situation in Afghanistan ist. Denn Bildung gibt berufliche Perspektiven und trägt so dazu bei, Armut zu senken. Sayed und Sara stehen als Beispiele für zahlreiche junge Menschen in Afghanistan, die eine Vision für den Wiederaufbau ihres Landes haben und sich darin als aktive Gestalter für eine bessere Zukunft sehen.

Hintergrund

In den 1960er Jahren befand sich Afghanistan aufgrund ausländischer Investitionen wirtschaftlich auf seinem Höhepunkt. Auch das afghanische Bildungssystem florierte: In den größeren Städten wurden zahlreiche Schulen eröffnet und der Anteil an männlichen und weiblichen Lernenden war ausgeglichen (MGFA, 2009). Die knapp zehnjährige Besatzung (1979-1989) durch die Sowjetunion und der Widerstand islamischer Gruppierungen (Mudschaheddin) führten zu brutalen Kämpfen, die Millionen Menschen töteten und vertrieben und die Wirtschaft sowie das Bildungssystem zerstörten (MGFA, 2009). Im Zuge ihrer Machtergreifung führten die Taliban 1996 ein Schulsystem nach ihren radikal- islamischen Vorstellungen ein. Für Mädchen und Frauen war Bildung schlichtweg verboten. In den nun eröffneten Koranschulen hatte die Lehre des Islams Priorität, darüber hinaus wurden lediglich einfache Lese-, Rechtschreib- und Rechenkenntnisse vermittelt (MGFA, 2009). Seit dem Sturz der Taliban 2001 hat sich die Situation gebessert. Dennoch waren 2011 noch 70% der Bevölkerung Analphabeten (BMZ, 2011), eine intellektuelle Elite gibt es nicht (MGFA, 2009). Fast alle höheren Bildungsanstalten müssen aufgebaut werden und die Nachfrage übersteigt das Angebot: In den letzten vier Jahren warteten circa 200.000 SchulabgängerInnen vergeblich auf einen Studienplatz (Goethe-Institut, 2014; TAZ, 2014). Die Kosten für Hochschulbildung sind für viele Familien nicht zu bezahlen. Kein Wunder, dass potenziell qualifizierte Menschen abwandern.

Die gute Tat

Junge AfghanInnen träumen davon, Krieg und Armut zu entkommen, sich persönlich weiterzuentwickeln und zum Wiederaufbau ihres Landes beizutragen. Studieren ohne Grenzen Deutschland e.V. hilft dabei, diese Wünsche zu realisieren. Dazu vergeben wir Hochschulstipendien für engagierte Menschen, die an der Universität Herat, der zweitgrößten afghanischen Stadt, studieren oder studieren möchten. Unser Zuschuss von monatlich 75€ deckt den Großteil der Lebenshaltungskosten eines afghanischen Studenten und wird zur Bezahlung von studienbegleitenden Kosten wie Busfahrten, Schreibmaterial oder Bücher verwendet. Den meisten StipendiatInnen wäre ein Studium ohne diese Unterstützung nicht möglich. Die Besonderheit ist, dass ein Stipendium an ein soziales Projekt gekoppelt ist, das bereits während des Studiums geplant und begonnen wird. Beispiele für ein solches Projekt sind kostenloser Englisch- oder Computerunterricht, oder ein Blog über Gesundheitsrisiken im Alltag. So profitieren nicht nur die Stipendiaten, sondern auch weitere engagierte Afghanen von unserer Förderung.

Herausforderung

Es gibt vielfache Herausforderungen. Zunächst einmal müssen wir eine Entfernung von über 4700 km überwinden. Zum einen funktioniert dies, indem die StipendiatInnen mit ihren BetreuerInnen skypen und mailen. Zum anderen kooperiert Studieren ohne Grenzen Deutschland e.V. mit dem Vizerektor der Universität Herat und mit der deutschen Organisation „Help – Hilfe zur Selbsthilfe e.V.“, die in Herat ansässig ist. So haben unsere StipendiatInnen einen Ansprechpartner vor Ort und wir erhalten weitere Informationen über die Situation in Herat.

Wie können wir sicherstellen, dass das Geld unserer Fördermitglieder von den StipendiatInnen sinnvoll eingesetzt wird? Neben der sorgfältigen Auswahl der StudentInnen sowie einem regelmäßigen Austausch über Skype lassen wir uns alle drei Monate schriftlich über das soziale Projekt und die Fortschritte im Studium berichten.

Notwendigkeit
Aktivität
Zählbare Leistung

Nach ca. 7 Monaten

Ergebnis

Nach ca. 3 Jahren

Systemrelevante Wirkung

Nach ca. 7 Jahren

Zugang zu Bildung und finanzielle Unterstützung afghanischer Studierender.
Studieren ohne Grenzen Deutschland e.V. unterstützt junge bedürftige AfghanInnen finanziell und ideell bei ihrem Studium und der Durchführung eines selbst initiierten sozialen Projektes.
Anzahl geförderter StipendiatInnen und erreichte Menschen durch Durchführung ehrenamtlicher Projekte.
Die Stipendiaten konnten in ihrem Studium fortschreiten, haben mit ihren sozialen Projekten begonnen und dabei erste Erfolge erzielt.
Erhöhte Eigeninitiative motivierter und gebildeter junger AfghanInnen sich für den Wiederaufbau ihres Landes einzusetzen.

 

Organisation
Studieren ohne Grenzen Deutschland e.V.
Vereinsregister-Nr.
VR 848 Konstanz
Zertifiziert durch
Initiative für Transparente Zivilgesellschaft
Kontakt
Haben Sie weitere Fragen zu dem Projekt? Dann wenden Sie sich gerne an unsere 24guteTaten Ansprechpartnerin Christine Schuy bonn@studieren-ohne-grenzen.org oder stellen Sie Ihre Frage auf unserer Facebook Seite: www.facebook.com/24guteTaten
Initiative Transparente Zivilgesellschaft