Voll in Mode: vom Marktmädchen zur Schneiderin

Berufsausbildung und psychosoziale Begleitung für Mädchen in Benin

Als Angélique Kidjo 1960 geboren wurde, hieß das westafrikanische Land, in dem ihre Familie lebte, noch Dahomey. Seitdem ist viel passiert: Dahomey wurde unabhängig von der Kolonialmacht Frankreich, änderte seinen Namen in Benin und verbot als erstes afrikanisches Land offiziell die Beschneidung von Mädchen. Auch im Leben von Angélique Kidjo passierte viel: Sie studierte Musik in Frankreich, veröffentlichte ein Dutzend Alben und wurde zweimal mit dem Grammy für das beste Weltmusikalbum ausgezeichnet. Heute zählt die Sängerin zu den bekanntesten Vertreter/innen der Weltmusik.

Wie überall auf der Welt träumen auch viele junge Mädchen in Benin von einer solchen Karriere. Die Realität für sie sieht jedoch anders aus. Weniger als die Hälfte der Kinder kann zur Schule gehen. 70 % aller Mädchen im Alter zwischen fünf und 14 Jahren müssen arbeiten, anstatt Lesen und Schreiben zu lernen.

Eine dieser jungen Frauen ist Reine Noutaï. Die 20-Jährige ist Halbwaise und lebt bei ihrem Bruder in Cotonou, der größten Stadt Benins. Ihr Vater ist gestorben, ihre Mutter wohnt in einem weit entfernten Dorf. Jeden Montag und Donnerstag besucht sie die Schule auf dem Markt von Midogbò, die Oxfams Partner ASSOVIE für die Mädchen, die hier arbeiten, eingerichtet hat. Parallel macht Reine eine Ausbildung in der Schneiderei „Jerusalem“. Als sie zu ASSOVIE kam, war sie sehr verängstigt und in schlechter körperlicher Verfassung. Heute ist Reine die beste Zuschneiderin bei der Schneidermeisterin Frau Metonou.

Hintergrund

In Benin in Westafrika lebt fast jede/r zweite der rund 10 Millionen EinwohnerInnen von weniger als 1,25 US-Dollar pro Tag und damit per Definition in extremer Armut. Vor allem in den ländlichen Regionen ist die Situation der Menschen dramatisch. Viele Eltern schicken deshalb ihre Töchter in der Hoffnung auf bessere Ausbildungschancen zu fremden Familien in die Großstädte. Aber anstatt die ersehnte Ausbildung zu erhalten, müssen sie Haushaltsarbeiten verrichten und auf den Märkten ihren Unterhalt verdienen. In Benin nennt man sie „Vidomègon“ (dt.: „weggegebene Kinder“), offizielle Regierungsstellen schätzen ihre Zahl auf über 100.000 (Bancroft-Hinchey, 2013). Die Folge dieser und anderer traditioneller Praktiken wie bspw. Zwangsheirat, ist, dass zwei Drittel der Kinder im schulpflichtigen Alter ungelernt arbeiten, anstatt Lesen und Schreiben zu lernen (BIT, INSAE 2009).

Insgesamt 95 % der Berufstätigen in Benin arbeitet im informellen Sektor, bspw. als KleinhändlerInnen oder Haushaltshilfen. Angebote für formale Berufsausbildung sind rar. Das führt dazu, dass es in Benin nur wenige gut ausgebildete Werktätige oder HandwerkerInnen, dafür aber viele ungelernte ArbeiterInnen gibt.

Die gute Tat

Die lokale Organisation ASSOVIE, mit der Oxfam seit 2009 zusammenarbeitet, gibt Jugendlichen eine Perspektive, finanziert eine Berufsausbildung und gibt Starthilfe, damit sie sich eine eigene Existenz aufbauen können, z.B. als Schneiderin. Mit dem Projekt will Oxfam dazu beitragen, dass insbesondere Frauen durch eine fundierte Ausbildung die Chance erhalten, sich eine eigene Existenz aufzubauen, um sich aus der Armut zu befreien.

ASSOVIE unterstützt aber nicht nur einzelne Mädchen. Die Mitarbeiterinnen der Organisation klären über Kinderrechte auf und versuchen, Gastfamilien, Markthändlerinnen, aber auch einflussreiche Persönlichkeiten in den Gemeinden und Städten für das Problem zu sensibilisieren, um langfristig einen Bewusstseinswandel in der Gesellschaft Benins zu bewirken. Das Projekt zielt auf nachhaltige Veränderungen, die dazu führen, dass junge Mädchen nicht mehr von ihren Eltern in eine ungewisse Zukunft geschickt werden.

Herausforderung

Zahlreiche Mädchen in dem Projekt haben Gewalt erlebt und sind traumatisiert. Durch die Erfahrung, als junges Mädchen in der Großstadt auf sich allein gestellt zu sein, sind viele stark verängstigt und voller Misstrauen. Psycholog/innen und Streetworker nehmen sich insbesondere dieser Kinder an.

Auf gesellschaftlicher Ebene überdauern Praktiken wie Zwangsverheiratung, weibliche Genitalverstümmelung und das Weggeben von Mädchen zu fremden Familien in die Großstädte vor allem in ländlichen Regionen. Mit Informations- und Aufklärungsarbeit unter relevanten Gruppen, wie Gastfamilien oder einflussreichen Persönlichkeiten in Städten und Gemeinden, wirkt Oxfams Partner auf ein Umdenken hin.

Notwendigkeit
Aktivität
Zählbare Leistung

Nach ca. 7 Monaten

Ergebnis

Nach ca. 3 Jahren

Systemrelevante Wirkung

Nach ca. 7 Jahren

Eine Ausbildung für Mädchen, die sonst kaum Chancen auf eine bessere Zukunft haben.
Oxfams Partner vermittelt Mädchen in bewährte Schneiderbetriebe und begleitet ihre Ausbildung.
Die Ausbildung für 15 Mädchen des Jahrgangs 2016 hat begonnen. Benötigte Materialien wurden beschafft und verteilt.
Nach 3 Jahren haben 45 Mädchen eine jeweils dreijährige Berufsausbildung abgeschlossen.

Aufklärungsarbeit über Kinderrechte wurde geleistet.
Die Mädchen konnten sich durch die Ausbildung eine eigene Existenz aufbauen.

Eine Änderung von Bewusstsein und Praktiken zu Kinderrechten hat begonnen.

 

Organisation
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Initiative Transparente ZivilgesellschaftDZI Spenden-SiegelVENRO – Arbeitsgruppe Transparenz