Flucht nach Deutschland - ein Heimspiel?

Flüchtlingsmädchen in Berlin-Reinickendorf

"Dürfen wir auch mitspielen?" Diese Frage stellten uns die Mädchen, wenn auch meist nur mit ihren sehnsüchtigen Blicken, als wir im Sommer letzten Jahres in einem der drei Flüchtlingsheime in Berlin-Reinickendorf ein Fußballturnier für Kinder im Rahmen eines Nachbarschaftsfestes anboten. Dass Fußball nicht nur etwas für Jungs ist, und sich Mädchen nicht nur begeistern lassen, sondern auch richtig gut darin sein können, haben uns unsere bisherigen Projekte gezeigt. Gemeinsamer Sport ist aber außerdem ein gutes Mittel, um kulturelle Unterschiede zwischen Flüchtlingskindern und deutschen Kindern verschwindend gering werden zu lassen und neue Freundschaften zu schließen.

Hintergrund

Durch Kriege, wirtschaftliche Missstände und Verfolgung sind zurzeit über 45,2 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht. Auch in Deutschland suchen vieler dieser Menschen Schutz und hoffen hier auf ein besseres Leben. Zwar nimmt Deutschland in absoluten Zahlen europaweit die meisten Flüchtlinge auf (Eurostat, 2013), doch oft leben diese jahrelang in prekären Umständen, mit Angst vor drohenden Abschiebungen und ohne ausreichende Unterstützung für eine gelungene Integration. Diese Situation fördert die Bildung von Parallelgesellschaften und ignoriert die vielen Potentiale, die diese Menschen mitbringen. Der demographische Wandel und der Fachkräftemangel haben in den letzten Jahren dazu geführt, dass auch die Flüchtlinge für eine gezielte Förderung in den Fokus rücken (Studnitz, 2011), doch nur viel zu langsam. Vorurteile, die Angst vor einer Überfremdung und vor allem fehlende finanzielle Mittel sind nur einige Gründe, warum es noch nicht ausreichend Programme für eine umfassende und ganzheitliche Unterstützung gibt. Am meisten leidet darunter die schwächste Gruppe, die Kinder.
Von den über 12.000 Menschen, die momentan mit einem ungesicherten Status in Berlin leben (Deutscher Bundestag 2012), sind alleine über 1000 Flüchtlinge auf die drei Wohnheime in Berlin-Reinickendorf verteilt. Während Reinickendorf eher als bürgerlich und gut situiert gilt, unterscheiden sich jedoch die einzelnen Regionen und Planungsräume des Bezirks signifikant. Der Bezirk selbst liegt in Bezug auf die Arbeitslosenquote, die sozialen Transferleistungen und den Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund zwar im Berliner Durchschnitt, der Auguste Viktoria-Allee-Kiez, in dessen Umgebung alle drei Heime erst in den letzten drei Jahren eröffnet wurden, steht hingegen deutlich schwächer da. Es gibt kaum Freizeitaktivitäten in der direkten Umgebung und es mangelt vor allem an Angeboten speziell für die Gruppe der Mädchen, die zusammen mit ihren Eltern in den Flüchtlingsheimen leben. Dabei sind es gerade die jungen Mädchen, die eine intensive Unterstützung benötigen, nicht zuletzt auch, weil es für sie oft noch schwieriger ist, selbstständig und unabhängig an der Gesellschaft teilzunehmen.

Die gute Tat

Einmal wöchentlich bietet der Verein Kein Abseits e.V. in den Räumen der kooperierenden Schule eine Fußball-AG für Mädchen zwischen 9 und 13 Jahren an. Das Fußballtraining bietet insbesondere den Mädchen aus Flüchtlingsheimen eine Freizeitbeschäftigung zusammen mit Kindern aus Familien aus Berlin-Reinickendorf. Die erfahrene Trainerinnen und eine pädagogische Begleitung gewährleisten eine umfassende Betreuung und bauen eine Vertauensbeziehung zu den Mädchen auf, die während der Flucht oft traumatische Erfahrungen gemacht haben.

Herausforderung

Die Auswahl der Mädchen stellt bei der Umsetzung der guten Tat ein Problem dar. Wir müssen Eltern von unserem Programm überzeugen, die selbst die Gesellschaft und Strukturen nicht kennen und daher misstrauisch sind, ihre Kinder in "fremde Hände" zu geben, und außerdem Fußball oft noch als Jungensport ansehen. Wir können jedoch viele positive Beispiele anbringen und unsere Mitarbeiter verfügen über viel interkulturelle Kompetenz. Außerdem genießen wir ein hohes Vertrauen bei den Schulen und den Heimen.

Das gemeinsame Fußballspielen ermöglicht den Mädchen, ihre Talente und Potentiale kennenzulernen und Erfolgserlebnisse außerhalb des schulischen Leistungsdrucks zu erfahren. Durch den Teamsport üben die Mädchen ihre sozialen Kompetenzen und die deutsche Sprache und finden gleichaltrige Freundinnen. All das stärkt ihr Selbstbewusstsein und unterstützt sie in ihrer Unabhängigkeit und Entwicklung.

Notwendigkeit
Aktivität
Zählbare Leistung

Nach ca. 7 Monaten

Ergebnis

Nach ca. 3 Jahren

Systemrelevante Wirkung

Nach ca. 7 Jahren

Freizeitgestaltung durch eine Fußball-AG für Flüchtlingsmädchen zwischen 9 und 13 Jahren in Berlin-Reinickendorf.
Einmal wöchentlich bieten wir in den koopierenden Schulen eine Fußball-AG für die Mädchen an.
Anzahl der Flüchtlingsmädchen, die am Fußballtraining teilnehmen konnten
Verbessertes Selbstbewusstsein durch fußballerische Kompetenzen
Implementierung und Ausweitung außerschulischer Angebote und sinnvoller Freizeitgestaltung für Flüchtlingsmädchen, gestärktes Selbstbewusstsein, Kennenlernen der verschiedenen Lebenswelten Berlins durch die Öffnung von Vereinen für die Teilnahme der Mädchen nach Projektende.