Obdachlosenhilfe der Heilsarmee in Bielefeld

Unterwegs zu denen, die am Rande stehen

Das ganze Jahr über ist Kapitän Michael Geymeier von der Heilsarmee in den Abendstunden mit Freiwilligen in Bielefeld unterwegs. Bis nach Mitternacht sucht das Heilsarmee-Team dann Obdachlose auf, um ihnen warme Getränke, Snacks und Schlafsäcke zu bringen und um mit ihnen zu reden.
In besonders kalten Winternächten öffnet er zudem den geheizten Gemeindesaal für Notübernachtungen. Die Gemeindeleiter, Michael und Sabine Geymeier, sind sich ihrer Verantwortung bewusst: „Bei eisigen Temperaturen ist es sehr gefährlich, draußen unter Brücken zu nächtigen, auf Parkbänken, in Einfahrten oder Abrisshäusern. Jeder weitere Minusgrad kann den Tod bedeuten.“

Bisweilen reagieren manche Wohnungslose im ersten Augenblick mürrisch, wollen nicht gestört werden. Die meisten nehmen jedoch dankbar den Kaffee und in eisigen Nächten auch die Einladung an, sie ins Warme zu bringen.

Hintergrund

Kältetote hier bei uns?!
Im Winter 2011/2012 starben in Europa etwa 300 Menschen an der unerbittlichen Kälte, einige von ihnen auch in Deutschland. Über die kurzen Meldungen in den Medien hinaus liegen meist keine offiziellen Zahlen vor. Doch bei den laut der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe fast 300000 Obdachlosen in unserem Land kann man sich vorstellen, dass auch hier Minustemperaturen Leben kosten können.

Für Obdachlose sind die Wintermonate die härteste Zeit im Jahr. Die Tage sind kurz – und die Einsamkeit und das Gefühl des Ausgestoßenseins werden umso größer, je mehr die Menschen sich in ihre Wohnungen zurückziehen. Die, die keine Wohnung haben, sind meist schon am Nachmittag auf der Suche nach einem windgeschützten und möglichst trockenen Ort, wo sie sich für ihr armseliges Nachtlager zurückziehen können. Doch dass es draußen auf der Straße Schutz und Wärme gibt, ist eine Illusion. „Am schlimmsten ist es, wenn ich krank bin“, sagt einer der Betroffenen. Dann prallt die ganze Härte der Situation auf ihn ein: niemand, der ihn pflegt, kein Essen, keine Medizin und kein warmes Bett.

Die gute Tat

Zusätzlich zur nächtlichen Streife, bei der die Heilsarmee in Bielefeld Obdachlose im Freien aufsucht, um sie mit Heißgetränken, einer kleinen Stärkung und Schlafsäcken zu versorgen, bietet sie seit 2002 Notschlafplätze an. In besonders kalten Nächten des Jahres öffnet die Heilsarmee ihre Räume, um Obdachlose vor dem Erfrieren zu bewahren. Wichtig sind den Personen auch die Gespräche. Endlich haben sie einmal das Gefühl, dass sich jemand um sie kümmert.

Herausforderung

Viele Obdachlose finden sich im Laufe der Zeit mit ihrem Schicksal ab, geben sich ganz auf und kämpfen zudem häufig mit Suchtproblemen. Sie zu überzeugen, dass sie selbst dazu bereit sein müssen, ihr Leben zu ändern, ist nicht mit einem Gespräch getan. Dies erfordert gewachsene Beziehungen, ein hohes Maß an Vertrauen und geschulte Mitarbeiter. Die Heilsarmee beweist hier einen langen Atem und begegnet menschlicher Not ohne Ansehen der Person.

In Bielefeld öffnet die Heilsarmee montags bis freitags von 10-16 Uhr ihren Tagestreff, der täglich von etwa 80 Personen aufgesucht wird. Hier erhalten Bedürftige kostenlose Mahlzeiten oder gebrauchte Kleidung. Heilsarmee-Mitarbeiter führen mit ihnen Gespräche und bieten soziale Beratung an. Im Café des Tagestreffs erhalten einige Menschen, z. B. nach langer Arbeitslosigkeit, eine Aufgabe und ein kleines Einkommen.

Notwendigkeit
Aktivität
Zählbare Leistung

Nach ca. 7 Monaten

Ergebnis

Nach ca. 3 Jahren

Systemrelevante Wirkung

Nach ca. 7 Jahren

Mahlzeiten in unserem Tagestreff, Kaffee und Schlafsäcke zur Ausgabe bei der Kältestreife, Benzin für den Einsatzwagen.
Die Heilsarmee in Bielefeld sucht nachts Obdachlose auf und gibt Kaffee, Snacks und Schlafsäcke aus. Tagsüber bietet sie einen Tagestreff mit Essensausgabe und Sozialberatung für Bedürftige an.
Anzahl der Obdachlosen, an die eine Suppe und ein Kaffee herausgegeben werden konnte
Messbare Verbesserung des Gesundheitszustandes der Obdachlosen.
Langfristig möchten wir bedürftige Menschen dabei begleiten, ihr Leben wieder eigenständig in den Griff zu bekommen. Im Akutfall geht es darum, dass keiner der Bielefelder Obdachlosen in einem reichen Land wie Deutschland erfrieren muss.

 

Organisation
Heilsarmee e.V.
Vereinsregister-Nr.
"Körperschaft des öffentlichen Rechts: Umsatzsteuer-Identifikationsnummer gemäß §27 a Umsatzsteuergesetz: DE 122 655 09
Zertifiziert durch
DZI, Deutscher Spendenrat e.V.,
Initiative Transparente Zivilgesellschaft
Initiative Transparente ZivilgesellschaftDZI Spenden-SiegelSpendenrat e. V. – Der Dachverband spendensammelnder gemeinnütziger Organisationen