Eine Rentenwoche für eine tapfere Großmutter in Tansania

Überlebenssicherung im Alter in Nshamba

Das ugandische Fischerdorf Kasensero hat einen traurigen Ruf: Hier trat 1979 zum ersten Mal Aids als Epidemie auf. Fährt man nur wenige Stunden weiter südlich an der Küste des Viktoriasees entlang, über die Grenze nach Tansania, kommt man nach Nshamba. Hier gibt es – genauso wie in Kasensero – auch heute noch viele Aidsfälle. An der Westküste des Viktoriasees wusste lange keiner, woher die Krankheit kam und wie sie übertragen wird. Sie breitete sich somit schnell von Dorf zu Dorf und über die Fischer an den Ufern des Viktoriasees in Uganda, Kenia und Tansania aus. Dadurch verlieren viele Kinder ihre Eltern.

Hintergrund

Der Viktoriasee ist auch bekannt durch den Dokumentarfilm „Darwins Alptraum“, weil hier in den 50er Jahren eine invasive Fischart, der Nilbarsch, ausgesetzt wurde, die sich wahnsinnig schnell vermehrte und dadurch das komplette Ökosystem des Sees aus dem Gleichgewicht brachte. Neben der ökologischen Katastrophe, die damit verbunden ist, sorgt dieser Fisch aber gleichzeitig auch heute noch dafür, dass die Anwohner des Sees sehr intensiv fischen gehen können. Damit hat er sich zu einer wichtigen Einkommensquelle entwickelt. Der Film zeigt aber auch die sozialen Folgen der intensiven Fischerei. Die Fischer leben oft mehrere Tage weit entfernt von ihren Heimatdörfern und die Prostitution in den Küstengebieten floriert. Die Nutzung von Kondomen ist noch immer höchst unpopulär und dadurch bleiben die Aids-Ansteckungsraten hoch. Das englische Word Aids steht für Acquired Immune Deficiency Syndrome und bezeichnet eine spezifische Kombination von Symptomen, die beim Menschen infolge der Infektion mit dem Humanen Immundefizienz-Virus (HIV) auftreten. Der internationalen Organisation UN-AIDS zufolge waren im Jahr 2012 weltweit ca. 35,3 Millionen Menschen HIV-positiv und es kam zu ca. 3,4 Millionen HIV-Neuinfektionen (UN-AIDS, 2012). Südlich der Sahara leben 26 Millionen Menschen mit einer HIV-Infektion. Ganz besonders sind davon auch die Kinder betroffen. Denn bei schlechter medizinischer Versorgung ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass die Eltern an der Erkrankung sterben.
Da staatliche Sozialfürsorgesystem in Tansania nicht für diese Waisen aufkommen können, übernehmen häufig die Großeltern die Verantwortung für die Kinder. Eine kleine Rente bedeutet diesen Großmüttern sehr viel: „Zuerst das Essen! Wir kaufen Mais und Trockenfisch. Wenn etwas übrig bleibt, kaufen wir Seife oder Streichhölzer. Oder wir sparen, um Kleidung für die Enkelkinder zu kaufen.“ Auch der Schulbesuch der Kinder wird durch die regelmäßigen Einkünfte gesichert. Neben dem materiellen Überleben bietet das Projekt aber auch Raum für psychologische Unterstützung und sozialen Austausch.

Die gute Tat

Mit der monatlichen Rentenzahlung werden von unmittelbarer Armut und Not betroffene ältere Frauen unterstützt. Dadurch wird ihnen ein würdevolles Altern ermöglicht und sie bekommen eine Anerkennung für ihre gesellschaftliche Leistung. Es sind die Großmütter, die ihren Enkeln nicht nur ein Zuhause geben, sondern sich gleichzeitig auch verpflichten, den Kindern einen Schulbesuch zu ermöglichen. Konkret hilft die Mini-Rente, die Familien zu versorgen, nimmt ihnen Zukunftsängste, ermöglicht ihnen bessere Gesundheitspflege durch Aufklärungsarbeiten und hygienische Produkte, verringert belastende körperliche Arbeiten, erhöht Ausbildungschancen und bietet soziale Integration.

Herausforderung

Eine große Herausforderung ist die lange Warteliste – noch viel mehr alte Menschen wären auf eine finanzielle Absicherung angewiesen. Schwierig ist das Bestreben, die politischen Strukturen dahingehend zu verändern, dass „universelle Renten“ eingeführt werden – also Renten für alle. Durch Lobbying machen wir gemeinsam mit lokalen, regionalen und internationalen Partnern auf die Problematik aufmerksam und üben Druck auf die tansanische Regierung aus.

Renten für alle werden von der breiten Mehrheit der tansanischen Bevölkerung befürwortet – und das Projekt HelpAge e.V. wird dabei als beispielhaft gewertet. Durch die Zustimmung der Bevölkerung und deren Sprachrohre auf lokaler und regionaler Ebene lässt sich der internationale Druck nochmals verstärken. Den alten Menschen wird eine Stimme und die Möglichkeit gegeben, ihre Rechte einzufordern.

Notwendigkeit
Aktivität
Zählbare Leistung

Nach ca. 7 Monaten

Ergebnis

Nach ca. 3 Jahren

Systemrelevante Wirkung

Nach ca. 7 Jahren

Soziale Absicherung für alte Menschen in Tansania
Auszahlung einer Mini-Rente und psycho-soziale Betreuung von Großmüttern und Enkeln
Anzahl der Großeltern, die durch die Mini-Rente finanziell abgesichert werden konnten
Messbar verbesserte Ernährung, verbesserter Gesundheitszustand und verbessertes psychisches Wohlbefinden der Projektteilnehmer
Verbesserte Versorgung von Aidswaisen, verbesserte Zukunfschancen für Aidswaisen, verbesserte Versorgung von alten Menschen

 

DZI Spenden-SiegelInitiative Transparente ZivilgesellschaftVENRO – Arbeitsgruppe Transparenz