Auswahlprozess für den Adventskalender

Die guten Taten sind die ‚Schokolade’ des Kalenders. Die Auswahl nachhaltiger, wirksamer und zugleich transparenter Projekte ist eine der Kernaufgabe des Vereins. Das Auswahlverfahren besteht aus drei Schritten:

1. Ausschreibung und Bewerbung

2. Recherche und Vorauswahl

3. Prüfung und Zustimmung

1. Ausschreibung und Bewerbung

In 2016 wurden 127 Bewerbungen auf einen Platz im Adventskalender eingereicht.

Warum eine Ausschreibung?

Es gibt sehr viele gute Hilfsprojekte und wir könnten uns natürlich auch einfach initiativ die besten heraussuchen. Die Ausschreibung ermöglicht uns jedoch eine neutrale Herangehensweise. Jedes Jahr lernen wir neue tolle Projekte kennen, auf die wir anderenfalls nicht gestoßen wären.

Wen wollen wir ansprechen?

Eine gute Mischung aus großen, etablierten und kleinen, ehrenamtlichen Organisationen, die einen direkteren Bezug zu ihrer Wirkungsstätte haben, macht die Qualität des Kalenders aus. Durch die Ausschreibung über verschiedene Foren und Verteiler sprechen wir beide Zielgruppen an.

Welche Informationen werden eingefordert?

Die Bewerbung enthält zwei Elemente: Erstens grundsätzliche Informationen über die Organisation und zweitens die gute Tat und ihren konzeptionellen Rahmen. Das Onlineformular ermöglicht uns einen stichhaltigen Einblick in die Zielsetzung, Erfahrung und Professionalität der Organisation.

2. Recherche und Vorauswahl

Für die Vorauswahl der guten Taten hat 24guteTaten basierend auf wissenschaftlichen Studien einen Kriterienkatalog entwickelt, mit dem die Projekte durch ein Punktesystem bewertet werden. Basierend auf diesem Punktesystem werden 32 Projekte mit den höchsten Punktzahlen ausgewählt. Dies bedeutet, dass jeweils 8 Projekte pro Kategorie (Umwelt, Gesundheit, Ernährung und Bildung) zur Auswahl stehen. Diese Vorauswahl wird dann dem Beirat vorgelegt.

Wie kann man die Wirksamkeit und Qualität der guten Taten beurteilen?

Diese Frage haben wir uns auch gestellt und uns professionelle Hilfe geholt: Auf internationaler Ebene ist das Abdul Latif Jameel Poverty Action Lab (J-PAL) des Massachusetts Institute of Technology (MIT) derzeit die federführende Institution im Bereich der Wirkungsanalyse von Hilfsprojekten. Durch randomisierte Studien versucht das J-PAL zum Beispiel zu zeigen, durch welche Methode für 100 Dollar am effektivsten die Zahl der an Durchfall erkrankten Kinder in einer Region reduziert werden kann (siehe Grafik). Juliette Seban, Forscherin am J-PAL und Professorin für randomisierte Evaluierung an der Hochschule Sciences Po Paris, hat uns bei der Entwicklung des konzeptionellen Rahmens für die Auswertung der guten Taten geholfen. Randomisierte Impactforschung ist sehr komplex. Natürlich können wir nicht für alle Projekte eine Studie durchführen. Die Zusammenarbeit ermöglichte uns jedoch zu verstehen, wie die Forscher erkennen, ob grundsätzlich wirkungsorientiertes Denken in einem Projekt vorhanden ist und woran man schließlich deren Wirksamkeit festmachen kann. Diese Kriterien konnten wir dann in unseren Bewertungskatalog aufnehmen.

Ganz konkret prüfen wir bei den Bewerbungen, ob die jeweilige Organisation

  • ihre Zielgruppe klar identifizieren kann
  • die Bedürfnisse der Zielgruppe erkennt und eine Bedarfsanalyse durchgeführt hat
  • deutlich machen kann, an welchen Indikatoren sich mittel und langfristig ihr Erfolg erkennen lässt

Bei der Entwicklung der Auswahlkriterien wurden wir auch von Philipp Hoelscher von PHINEO unterstützt. Die PHINEO gAG ist in Deutschland im Bereich der Wirkungsanalyse von Hilfsprojekten führend und wendet die Perspektive der Wirkungskette als Analyseinstrument für die Bewertung von Hilfsorganisationen an. Aufgaben, Indikatoren, sowie mittel- und langfristige Ziele lassen sich in einer Wirkungskette erfassen (siehe Grafik).

Wir fordern die Bewerber auf, ihre Projekte in der Wirkungsketten-Logik zu beschreiben (siehe Tabelle). Dadurch können wir sehen, ob die Organisationen Erfolgsindikatoren gewählt haben und ob sich ihr Projekt in eine langfristige Strategie einbettet.

Input Aktivität / Konkrete Maßnahme Zählbare Leistung / Output(nach ca. 7 Monaten) Ergebnis/ Outcome (nach ca. 3 Jahren) Systemrelevante Wirkung /Impact (nach ca. 7 Jahren)
Spende durch 24guteTaten Einkauf und Ausgabe von Obst und Jogurt für ein Waisenkind Anzahl der Schüler die durch die Ernährung zusätzlich den Unterricht besuchen können (im Vergleich zur Vorphase) Anzahl der Schüler mit Schulabschluss (im Vergleich zur Vorphase) Anzahl der Schüler die einen Beruf finden (im Vergleich zur Vorphase)

 

Woran kann man zuverlässige und vertrauenswürdige Partnerorganisationen erkennen?

Bei der Untersuchung der Partnerorganisationen haben wir drei Schwerpunkte gesetzt:

Finanzen und Transparenz:

Die Satzung und eine ausgeprägte Dokumentation der Mittelverwendung müssen zumindest für 24guteTaten einsehbar sein. Im Idealfall hat die Organisation ihre Projekte durch unterschiedliche Finanzierungsquellen langfristig abgesichert. Ferner soll die Organisation die Wirtschaftlichkeit der Maßnahmen vor Ort mit einbeziehen. Das bedeutet, dass sie nicht durch Importprodukte die Produktion vor Ort stört, sondern für ihre Arbeite lokale Produkte nutzt.

Strukturelle Nachhaltigkeit der Organisation:

Die Organisation soll in ihrer Arbeit neutral, d.h. nicht von politischen Dynamiken beeinflussbar, sein. Außerdem soll sie kompetentes und erfahrenes Führungspersonal aufweisen und einen direkten Bezug zu ihrer Wirkungsstätte haben. Dies bedeutet auch, dass die lokale Bevölkerung am Projekt beteiligt wird.

Qualitätsgarantien:

Eine offizielle Registrierung als gemeinnütziger Verein, Stiftung oder gGmbH sind Grundvoraussetzung für eine Teilnahme. Spendensiegel, Selbstverpflichtungen zur Transparenz oder offizielle Zertifizierungen (z.B. DZI-Spendensiegel, das PHINEO Wirkt-Siegel, etc.) wirken sich grundsätzlich positiv auf die Bewertung der Organisation aus, sind jedoch keine notwendige Bedingung für eine Aufnahme in den Kalender. Kleine, hauptsächlich ehrenamtlich aufgestellte Organisationen können sehr gute Arbeit leisten, auch wenn sie nicht die Ressourcen haben, dies aufwendig zertifizieren zu lassen. Drittmeinungen, z.B. auf Onlinespendenplattformen, bei Botschaften oder durch das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen, helfen uns, eine differenzierte Meinung zu den Projekten zu entwickeln.

3. Prüfung und Zustimmung

Wer trifft die endgültige Entscheidung über die 24 guten Taten?

Ein vom Vorauswahl-Prozess vollkommen unabhängiger Beirat entscheidet in letzter Instanz über die Auswahl der Projekte. Der Beirat setzt sich aus Experten für internationale Politik, Entwicklungszusammenarbeit und Projektmanagement zusammen. Die 32 Projekte müssen dem prüfenden Blick des Beirats auf Skalierbarkeit, Realisierbarkeit, Neutralität und Relevanz hin standhalten. Am Ende dieser Experten-Prüfung stehen die 24 Projekte, die durch den 24guteTaten Kalender gefördert werden.