Eine zweite Chance für Spaltkinder

Operationen für Kinder mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten in Indien

Wenn die Dorfkinder zusammen spielten, stand die fünfjährige Dharati im Abseits und schaute den anderen mit sehnsüchtigem Blick dabei zu. Dharati konnte nie verstehen, warum die Kinder im Dorf sie mieden oder auslachten, warum auch Erwachsene mit dem Finger auf sie zeigten und tuschelten, sobald sie in ihre Nähe kam. Sie war noch zu klein, um zu begreifen, dass es an ihrem Aussehen lag.

Dharati kam mit einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte auf die Welt; zunächst ein großer Schock für ihre Familie. Nie zuvor hatte jemand ein Spaltkind gesehen. Wie konnte so etwas geschehen? In der Dorfgemeinschaft glaubt man, dass die Mutter die Schuld trägt, da sie während der Schwangerschaft bei Dunkelheit das Haus verlassen hat. Nach fünf leidvollen Jahren hatte Dharati endlich Glück: ihre Eltern erfuhren in einem Aufklärungscamp von der kostenlosen Behandlungsmöglichkeit der Deutschen Cleft Kinderhilfe. Selbst hätten sie die Operation nie bezahlen können, denn Dharatis Großfamilie lebt in ärmsten Verhältnissen. Inzwischen wurde Dharati zweimal von dem Chirurgen Dr. Sheth operiert, der Lippe und Gaumen verschloss. Heute ist Dharati 14 Jahre alt. Sie genießt es nicht mehr ausgegrenzt zu sein, geht gerne zur Schule und spielt unbeschwert mit ihren Freunden und Geschwistern. Dharatis Geschichte zeigt, wie wichtig es ist, Spaltkindern durch Operationen eine zweite Chance im Leben zu geben.

Hintergrund

Die Lippen-Kiefer-Gaumenspalte ist eine der häufigsten Fehlbildungen. Spaltkinder werden auf allen Kontinenten und in allen Ländern der Welt geboren. In Deutschland werden die Behandlungskosten von Spaltkindern von der Krankenkasse übernommen und Betroffene werden im ersten Lebensjahr operiert. In Indien dagegen stirbt etwa jedes zehnte Spaltkind, durch die Probleme bei der Essensaufnahme, noch vor dem Erreichen des ersten Lebensjahres an Unterernährung. Neben den funktionalen Problemen beim Essen/Trinken, Sprechen und Hören, leiden Spaltkinder sehr unter der Stigmatisierung und Ausgrenzung. Lippen-Kiefer-Gaumenspalten entstehen bereits ab der vierten Schwangerschaftswoche, in der die einzelnen Bereiche des Gesichtes von außen nach innen zusammenwachsen. Kommt es zu einer Störung in dieser Phase der embryonalen Entwicklung, verbinden sich die Gewebeschichten nicht vollständig. Die Ursachen sind bis heute nicht eindeutig geklärt. Neben der Genetik können Umweltverschmutzung (z.B. durch Dioxine, Kohlenstaub), besondere Höhenlage (z.B. Anden, Himalaja) sowie die Mangelernährung der Mutter eine Rolle spielen.

Die gute Tat

Für Spaltkinder ist die Operation der Lippe und des Gaumens die einzige Chance auf ein normales Leben. So können sie essen, richtig trinken und verständlich sprechen lernen. Sie werden wieder in die Gemeinschaft integriert und können zur Schule gehen, denn viele Kinder werden aufgrund ihrer Entstellung vom Schulbesuch ausgeschlossen. Somit wird die gesamte Familie entlastet. Das Nahtmaterial steht hier auch symbolisch für alles, was unsere Fallpauschale für eine Spaltoperation beinhaltet: z.B. Transport der Kinder, Chirurgie, Anästhesie und Krankenhausaufenthalt.

Herausforderung

Häufig werden Spaltkinder in Indien von ihren Familien aus Scham versteckt oder im schlimmsten Fall sogar ausgesetzt und ihrem Schicksal überlassen. Die Geburt eines Spaltkindes wird oft als Fluch oder Bestrafung betrachtet. Deshalb ist es so wichtig, Aufklärungsarbeit zu leisten. Unsere einheimischen Sozialarbeiter fahren immer wieder in abgelegene Gebiete und suchen dort Spaltkinder, um deren Eltern zu erklären, dass es kostenlose Behandlungen gibt. Oft wissen die Eltern nicht, dass ihrem Kind mit einer Operation geholfen werden kann. Die Sozialarbeiter sprechen die lokalen Sprachen und können so leichter das Vertrauen der Eltern gewinnen und sie von der Notwendigkeit einer Operation überzeugen.

Ziel

Notwendigkeit
Aktivität
Zählbare Leistung

Nach ca. 7 Monaten

Ergebnis

Nach ca. 3 Jahren

Systemrelevante Wirkung

Nach ca. 7 Jahren

Operationen für Kinder mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten in Indien.
Einheimische Chirurgen operieren betroffene Kinder.
Anzahl der Kinder, denen eine Operation ermöglicht werden konnte.
Messbarer Anstieg operierter Spaltkinder, die am sozialen Leben teilnehmen, z.B. anhand steigender Schülerzahlen.
Verbesserte Zukunftsperspektive für Spaltkinder durch Bildung und komplette Integration in die Gesellschaft, somit auch Entlastung der Familien.

 

Organisation
Deutsche Cleft Kinderhilfe e.V.
Vereinsregister-Nr.
VR 3646
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Kontakt
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