Beats für Kids

Bildungsferne, Rassismus und Gewalt im sozialen Brennpunkt Rollbergviertel in Berlin-Neukölln

Im Rollbergviertel von Berlin-Neukölln wohnen über 30 Nationalitäten Tür an Tür, dennoch begegnen sich die Bewohner kaum. Gleichgültigkeit bestenfalls, oft Vorurteile, Rassismus bis hin zur Gewalt zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen prägen den Alltag.

Hier bedarf es besonderer Ansätze, um die Kommunikation zwischen den Kindern und Jugendlichen unterschiedlicher Herkunft zu fördern. Mit der Gründung der „Big Band Rollberg“ unter der Leitung der Musikpädagogin Sandra Weckert erfindet MORUS 14 eine neue Plattform des interkulturellen Dialogs - und zwar über die Musik. Im Orchester herrschen andere Regeln als auf der Straße. Das übliche Konkurrenzdenken weicht dem Zusammenwirken aller. Hier spielen Herkunft und Nationalität keine Rolle mehr, die Kinder erleben Zusammenhalt und teilen ihren Erfolg.

Hintergrund

Im Rollbergkiez, einer Neubausiedlung in Berlin-Neukölln, leben ca. 5.600 Einwohner aus 30 verschiedenen Nationen. Der Anteil der Zuwanderer liegt bei ca. 70 %. Der Kiez belegt seit Jahren einen der letzten Plätze im Sozialstrukturatlas Berlin. Im Rollbergviertel lebt ca. 70 % der Bevölkerung von Transferleistungen. Das Hauptproblem dort ist aber nicht Armut, sondern primär die Bildungsferne in allen Bevölkerungsgruppen. Den Kindern fehlen Vorbilder, die ein von Arbeit strukturiertes Leben führen. Die Familien sind oft nicht in der Lage, ihre Kinder zu fördern – gleichgültig, ob es sich um Familien mit oder ohne Migrationshintergrund handelt. Die Schulabbrecherquote ist hoch und die meisten Jugendlichen haben am Ende ihrer Schullaufbahn eine sehr niedrige Grundbildung und wenig Sozialkompetenz erworben. In vielen Familien liegen zudem Probleme wie Alkoholmissbrauch oder häusliche Gewalt vor. In den meisten Familien wachsen die Kinder extrem kiezbezogen auf und ihre Wahrnehmung der Welt reicht selten über die Großfamilie hinaus.

Die gute Tat

In der „Big Band Rollberg“ erfahren die Kinder und Jugendlichen eine Durchmischung der Kulturen, Herkünfte, Geschlechter und Altersklassen. Sie erleben, dass gegenseitiger Respekt und Rücksichtnahme sowie aufmerksames Zuhören für eine gute Interaktion unabdingbar sind. Sie verstehen das musikalische Erlebnis als gelungenes Zusammenwirken der Gruppen, in der jede und jeder einen Beitrag zum Gesamtergebnis leistet.

Jedes Kind kann Mitglied der Big Band werden. Es sind keine besonderen musikalischen Vorkenntnisse nötig. Doch mit bekannten Rock-Songs (z.B. Stücke von AC/DC, Eagles) schafft es Sandra Weckert, in kürzester Zeit ein musikalisches Gesamtwerk zu erreichen. Ein vollkommen neues Erlebnis für die meisten Kinder, die auf diese Weise von passiven Medienkonsumenten zu aktiven Mitgestaltern werden.

Herausforderung

Der Alltag vieler Kinder und Jugendliche ist vor allem von Familienleben und Konsum geprägt. Frustrationstoleranz und Geduld sind meist sehr gering. Daher wird vor allem darauf geachtet, dass ein kleines ""Erfolgsergebnis"" schnell und prägnant erreicht wird. Erschwerende Faktoren sind auch mangelnde Zeitstrukturierung und Aufmerksamkeit.

Ziel

Durch die Wahrnehmung eines regelmäßigen Termins steigt bei den Kindern das eigene Verantwortungsgefühl. Auch ihr Selbstvertrauen, das sehr wichtig für ihre weitere schulische Laufbahn ist, wird durch ihre langfristige Mitwirkung an der Big Band gestärkt. Das gemeinsame Ziel, zusammen erfolgreich zu musizieren, vereint die Kinder in ihren Bemühungen und lässt ihre Herkünfte nebensächlich werden.

Notwendigkeit
Aktivität
Zählbare Leistung

Nach ca. 7 Monaten

Ergebnis

Nach ca. 3 Jahren

Systemrelevante Wirkung

Nach ca. 7 Jahren

Eigenverantwortung und Selbstvertrauen stärken, Kommunikation fördern und Vorurteile abbauen.
Gründung einer Big Band für Kinder und Jugendliche ohne musikalische Vorkenntnisse, wöchentliche Proben und regelmäßige Auftritte.
Anzahl der Kinder und Jugendlichen, die am Orchester teilnehmen konnten
Anzahl der Kinder die ein Orchesterinstrument beherrschen
Neue Begegnungen und Freundschaften entstehen, Vorurteile werden abgebaut und ein besseres Miteinander im Kiez wird erreicht.

 

PHINEO damit Engagement wirkt