Helfende Hände: Wie blinde Frauen mit ihrem besonders guten Tastsinn Leben retten

Brustkrebs ist nach wie vor die häufigste Krebserkrankung von Frauen in Deutschland. Eine frühzeitige Erkennung und Behandlung von Brustkrebs bedeutet eine geringere Belastung für die Betroffenen und verbessert die Überlebenschancen der Patientinnen erheblich. Blinde und sehbehinderte Menschen haben häufig einen nachweislich überlegenen Tastsinn. discovering hands nutzt diese Begabung.

Hintergrund

In Deutschland erkranken jährlich über 60.000 Frauen an Brustkrebs. Jedes Jahr sterben 18.000 Frauen an dieser Krankheit. Das macht Brustkrebs zur häufigsten Todesursache bei Frauen zwischen 40 und 44 und zur tödlichsten Krebsart bei Frauen zwischen 25 und 74. Bei Frauen unter 50 ist die Tastuntersuchung das Standarduntersuchungsverfahren. Ein Mammographie-Screening wird erst für Frauen ab 50 Jahren angeboten. Umso größer ist die Bedeutung der Tastuntersuchung. Auf der einen Seite sind standardisierte Untersuchungen der Routinesprechstunde oft nicht ausreichend und häufig werden Tumore nicht erkannt. Auf der anderen Seite gibt es in Deutschland circa 1,2 Millionen Menschen mit einer Sehkraft unter 30 %, von denen nicht alle im arbeitsfähigen Alter einen Beruf ausüben. Mangelnde Ausstattung und Anpassung des Arbeitsumfeldes sowie Vorurteile gegenüber der Leistungsfähigkeit sehbehinderter Menschen erklären ihre geringe Eingliederungsrate in den Arbeitsmarkt. Besonders Frauen sind hiervon betroffen.

Die gute Tat

Blinde oder sehbehinderte Frauen, die sich zur MTU (medizinische Tastuntersucherin) qualifizieren ließen, haben erfolgreich ihre „Behinderung“ zur Begabung gemacht. Sie leisten in verantwortungsvoller Tätigkeit einen sinnvollen und positiv wahrgenommenen Dienst im Gesundheitssystem. Inzwischen beteiligen sich an dem Modell 27 Ärzte in Kliniken und Praxen, die an 16 Standorten MTUs beschäftigen.

Herausforderung

Die Finanzierung von Ausbildungskandidatinnen in den Ausbildungszentren war nach Wegfall der Projektförderung durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) Ende 2010 abgeschwächt.

Ziel

Langfristig soll die Ausbildung zur medizinischen Tastuntersucherin auch als offizielle Ausbildung angeboten werden. Damit werden dauerhaft Möglichkeiten für blinde Frauen geschaffen; Brustkrebs wird früher diagnostiziert und kann besser behandelt werden.

Notwendigkeit
Aktivität
Zählbare Leistung

Nach ca. 7 Monaten

Ergebnis

Nach ca. 3 Jahren

Systemrelevante Wirkung

Nach ca. 7 Jahren

Brustkrebesfrüherkennung
MTU-Qualifizierung von blinden und sehbehinderten Frauen wird angeboten
Anzahl der Frauen, die an der Ausbildung teilnehmen können
Anzahl der Frauen, die beruflich weitervermittelt werden konnten und Anzahl der Brustkrebserkrankungen, die durch sie frühzeitig erkannt wurden
Blinde Frauen werden in die Gesellschaft integriert und bekommen durch ihre Arbeit eine wichtige Aufgabe und Verantwortung.
Die Zahl der Todesfälle durch Brustkrebs geht zurück

 

Organisation
discovering hands gUG
Vereinsregister-Nr.
Steuernummer 120/5704/1525
Zertifiziert durch
Das Projekt Discovering Hands wird von Ashoka und der Ruderman Stiftung unterstützt.
Ferner hat die Landesministerin (Nordrhein-Westphalen) des Ministeriums für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter, Barbara Steffens die Schirmherrschaft für das Projekt übernommen und steht damit für die Qualität des Projektes.