Waldschutz durch indigene Völker

Ramesh ist ein Teenager, der nicht aussieht wie ein waldbewohnender Adivasi, die man auch Ureinwohner nennt. Er ist in der Kleinstadt Gudalur aufgewachsen und trägt Jeans. Eines Tages kam ein wilder Elefant bis zum Krankenhaus im Wohngebiet zwischen Stadt- und Waldrand. Die dortigen Adivasi passten sich an den gefährlichen Gast an: Keine Kinderspiele vor dem Haus, kein Lärm, die Nachtschicht begann früher. Niemand versuchte, mit Licht und Raketen den Elefanten zu verjagen. Am dritten Tag schnitt Ramesh alles Zuckerrohr vom Feld seiner Familie und trug es in den nahen Wald. Vom Zuckerrohr hätte seine Familie einen Monat leben können. „Der Elefant muss doch etwas fressen. Wenn er gejagt wird, wird er wütend. Das arme Ding hat sich einfach verlaufen.“ Offenbar bestehen einige Werte der Adivasi fort, auch wenn sich ihr Leben verändert hatte.

Hintergrund

Das Leben der Adivasi ist eng mit dem Wald verbunden. Früher lebten sie als Halbnomaden, Jäger und Sammler in den Nilgiris-Bergen. Sie sammelten Bambus, Feuerholz, Kräuter, Knollen, Früchte und Honig. Heute haben sich die Nilgiris-Berge und das Leben der Adivasi verändert. Seit 1800 wurden große Teile der Nilgiris-Berge abgeholzt für den Anbau von Tee, Kaffee, Pfeffer, Teak und Eukalyptus. Teeanbau ist der heute der wichtigste Wirtschaftszweig der Region. Teeplantage reiht sich an Teeplantage.
Um die verbliebenen Wälder zu schützen, rief die UNESCO 1986 das Nilgiri-Biosphärenreservat aus. Das Waldgebiet ist insgesamt 5.520 km² groß und hat eine besonders reichhaltige Vegetation. Etwa 5.200 Elefanten und 535 Tiger leben hier – so viele wie sonst nirgendwo in Indien. Doch zunehmend verhindern Straßen und mit elektrischen Zäunen abgeschottete Plantagen, Siedlungen und Tourismusanlagen das freie Umherziehen der Wildtiere. In der Folge kommt es häufiger zu Konflikten zwischen Wildtieren, v.a. Elefanten, und Menschen, immer wieder auch mit tödlichen Unfällen.
Die 22.000 Adivasi in den Nilgiris-Bergen haben traditionell als Ureinwohner/innen in ihrem traditionellen Alltag, in ihrer überlieferten Religion und ihrer Identität eine enge Beziehung zum Wald. Für die Jagd, die Honigernte, das Schlagen von Bambus oder das Sammeln von Knollen und Kräutern haben die Adivasi von einer Generation zur nächsten Regeln überliefert, die ein ökologisch nachhaltiges Leben von Wald und Natur sicherstellen. Doch die Adivasi sind Minderheiten und haben das von ihnen besiedelte Land zu großen Teilen an Plantagenbesitzer und zugezogene Familien verloren. Heute arbeiten sie vor allem als Feldarbeiter und gelegentlich als Tagelöhner auf Plantagen und Baustellen, sie sind verarmt und können ihre traditionellen, nachhaltigen Waldnutzungsmethoden nicht mehr ausüben.

Die gute Tat

Mit der guten Tat wird der zinslose Kredit abgezahlt, mit dem die Adivasi-Selbsthilfeorganisation AMS 1998 die 70 Hektar große Teeplantage für die Adivasi gekauft hat. Träger der Plantage ist die lokale indische Nichtregierungsorganisation ACCORD. Den Kredit hat die britische Stiftung Charities Advisory Trust gewährt. Bereits abgezahlt sind 301.223 Euro (42,86 Hektar). 190.777 Euro (27,14 Hektar) des Zinses sind noch offen. Im Wald werden Heilkräuter angesiedelt. Exkursionen und mehrtägige Kinder-Camps verbinden moderne Bildung mit der Vermittlung von traditionellem Wissen.

Herausforderung

Der 20 Hektar große Urwald auf der Adivasi-Plantage grenzt direkt an ein großes Waldgebiet (in öffentlicher Hand). Häufig kommen wilde Elefanten aus dem Wald durch die Adivasi-Plantage, um zum dahinter gelegenen Fluss zu gelangen. Dies stellt eine Gefahr für die Adivasi dar und damit auch eine große Herausforderung.

Ziel

Wenn der Kredit zum Kauf der Adivasi-Plantage abgezahlt ist, gehören Teeplantage, Trainingszentrum und 20 ha Urwald vollständig den Adivasi. Sie führen damit Bildungsprojekte durch, schaffen Arbeit und Wohnraum für landlose Adivasi-Familien, können Gewinne für die dörfliche Bildungs- und Gesundheitsarbeit erwirtschaften, traditionelle Heilkunde beleben und durch Ökotourismus Einnahmen erzielen

Notwendigkeit
Aktivität
Zählbare Leistung

Nach ca. 7 Monaten

Ergebnis

Nach ca. 3 Jahren

Systemrelevante Wirkung

Nach ca. 7 Jahren

Urwaldschutz und Bewahrung einer besonderen Kultur
Der Kredit für den Landkauf wird abbezahlt.
Anzahl der m² Fläche, die neu im Gemeinschaftsbesitz der Adivasi ist.
Erhaltung der nachhaltigen Anbaumethoden und Rückgang der ländlichen Armut
Finanzielle Unabhängigkeit der Adivasi. Ökologisch sensibler und nachhaltiger Lebensstil der jungen Adivasi-Generationen. Erhalt der Artenvielfalt im Ökosystem

 

Organisation
Adivasi-Tee-Projekt/ Adivasi-Kooperationsprojekt e.V.
Vereinsregister-Nr.
VR 1884/ Amtsgericht Hamm
Zertifiziert durch
Entspricht den Kriterien der Initiative Transparente Zivilgesellschaft
TZ